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Definition |
Die Theorie des
Ratings basiert im Wesentlichen auf zwei
grundlegenden Theoriegebäuden, nämlich
- der neoklassischen Finanzierungstheorie,
speziell der Kapitalmarkttheorie und
- der neuen Institutionenökonomie (Neoinstutionalistische
Finanzierungstheorie), speziell den
Transaktionskostentheorien und der Principal
Agent-Theorie.
Die neoklassische Finanzierungstheorie geht von
der zentralen Annahme aus, dass sich sämtliche
Finanzmärkte im Gleichgewicht befinden, insbesondere
also keine Arbitragemöglichkeiten bestehen. Außerdem
wird üblicherweise von Marktunvollkommenheiten
abstrahiert. Wesentlich ist zudem, dass von
vollkommen rationalen Wirtschaftsobjekten
ausgegangen wird, die über umfassende und über
gleiche Informationen verfügen („Hypothese der
Informationseffizienz“). Zudem wird in diesen
Theoriegebäuden i.d.R. von Handlungsfriktionen
abgesehen. Käufe und Verkäufe können z.B. unendlich
schnell und kostenfrei abgewickelt werden.
Die neue Institutionenökonomie (und die dazu
gehörige Transaktionstheorie und
Principal-Agent-Theorie) betont in ihrer
Grundaussage die Notwendigkeit eines Ratings, um die
Transparenz zu erhöhen und – im Zusammenhang mit der
Transaktionskostentheorie – die Such- und
Informationskosten zu minimieren. Sie geht also im
Gegensatz zum neoklassischen Ansatz nicht von den
Annahmen friktions- und kostenlos funktionierender
Märkte und symmetrischer Informationsverteilung aus.
Gerade die Principal-Agent-Theorie (auch kurz
Agency-Theorie) liefert drei Gründe von
Agency-Beziehungen: Informationsasymmetrie,
Interessendivergenz und Unsicherheit. Demnach ist
die Beziehung eines Fremdkapitalgebers (Principal)
und eines Fremdkapitalnehmers (Agent) von Beginn an
durch „verborgenen Informationen“ gekennzeichnet,
die aus Informationsvorsprüngen des Principals
resultiert (sog. Informationsineffizienzen). Im
Laufe der Beziehung tritt zudem das Problem der
„verborgenen Handlungen“ auf, das sich daraus
ergibt, die Handlungen des Agents nicht genau
beobachten zu können.
Ratings können in diesem Zusammenhang mehrere
Einflüsse zur Reduzierung der Informationsasymmetrie
haben:
- Sie erhöhen den Informationsstand aller
Marktteilnehmer,
- das Ratingurteil sendet ein (freiwilliges)
Signal vom Agent zum Principal und
- Ratings sind ein Screening-Indikator für
Marktteilnehmer, die diesen Indikator als Filter
einsetzen können.
Akzeptiert man die Hypothese der
Informationseffizienz der neoklassischen Theorie,
sind Ratings und Ratingagenturen prinzipiell
unnötig, da durch sie – so das Modell – keine neuen
Informationen gewonnen bzw. genannt werden können.
Ein Rating ist damit nur dann sinnvoll, wenn
Informationen ineffizienter Märkte vorliegen, das
heißt also, wenn die Ratingagenturen den
Marktteilnehmern (neue bzw. zusätzliche)
Informationen zur Verfügung stellen, die sonst den
Marktteilnehmern nicht zur Verfügung stünden.
Ratingagenturen kann man somit vor diesem
Hintergrund die Funktion zuschreiben, prinzipiell
bereits verfügbare Informationen – aus
Kostendegressionsgründen – billiger aggregieren und
aufbereiten zu können, als dies einzelne
Marktteilnehmer darstellen könnten.
Anzumerken ist, dass durch die Feststellung einer
hohen Informationseffizienz und dem damit
verbundenen geringeren Informationsgehalt von
Ratings nicht zwingend geschlossen werden kann, dass
Ratings „unnötig“ bzw. „nicht sinnvoll“ sind. Denn
dies würde zu einem „Informationsparadoxon“ führen,
da die Vernachlässigung der Informationsauswertung
durch die Marktteilnehmer zwangsläufig dazu führen
würde, dass der Markt seine Informationseffizienz
verliert.
Die methodischen Grundlage der Ratingverfahren
von Standard & Poor’s, Moody’s Investor Service,
Fitch Ratings und anderen sind die
Kapitalmarkttheorie und der darauf basierende
Shareholder-Value-Ansatz. Annahme dabei ist, die
[Ausfallwahrscheinlichkeit] zu beurteilen, die
maßgeblich durch die Relation zwischen Verschuldung
und Unternehmenswert bestimmt wird. |