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Autor

Ratingtheorie

Dr. Karsten Füser, Dr. Werner Gleißner
Definition Die Theorie des Ratings basiert im Wesentlichen auf zwei grundlegenden Theoriegebäuden, nämlich
  • der neoklassischen Finanzierungstheorie, speziell der Kapitalmarkttheorie und
  • der neuen Institutionenökonomie (Neoinstutionalistische Finanzierungstheorie), speziell den Transaktionskostentheorien und der Principal Agent-Theorie.

Die neoklassische Finanzierungstheorie geht von der zentralen Annahme aus, dass sich sämtliche Finanzmärkte im Gleichgewicht befinden, insbesondere also keine Arbitragemöglichkeiten bestehen. Außerdem wird üblicherweise von Marktunvollkommenheiten abstrahiert. Wesentlich ist zudem, dass von vollkommen rationalen Wirtschaftsobjekten ausgegangen wird, die über umfassende und über gleiche Informationen verfügen („Hypothese der Informationseffizienz“). Zudem wird in diesen Theoriegebäuden i.d.R. von Handlungsfriktionen abgesehen. Käufe und Verkäufe können z.B. unendlich schnell und kostenfrei abgewickelt werden.

Die neue Institutionenökonomie (und die dazu gehörige Transaktionstheorie und Principal-Agent-Theorie) betont in ihrer Grundaussage die Notwendigkeit eines Ratings, um die Transparenz zu erhöhen und – im Zusammenhang mit der Transaktionskostentheorie – die Such- und Informationskosten zu minimieren. Sie geht also im Gegensatz zum neoklassischen Ansatz nicht von den Annahmen friktions- und kostenlos funktionierender Märkte und symmetrischer Informationsverteilung aus. Gerade die Principal-Agent-Theorie (auch kurz Agency-Theorie) liefert drei Gründe von Agency-Beziehungen: Informationsasymmetrie, Interessendivergenz und Unsicherheit. Demnach ist die Beziehung eines Fremdkapitalgebers (Principal) und eines Fremdkapitalnehmers (Agent) von Beginn an durch „verborgenen Informationen“ gekennzeichnet, die aus Informationsvorsprüngen des Principals resultiert (sog. Informationsineffizienzen). Im Laufe der Beziehung tritt zudem das Problem der „verborgenen Handlungen“ auf, das sich daraus ergibt, die Handlungen des Agents nicht genau beobachten zu können.

Ratings können in diesem Zusammenhang mehrere Einflüsse zur Reduzierung der Informationsasymmetrie haben:

  1. Sie erhöhen den Informationsstand aller Marktteilnehmer,
  2. das Ratingurteil sendet ein (freiwilliges) Signal vom Agent zum Principal und
  3. Ratings sind ein Screening-Indikator für Marktteilnehmer, die diesen Indikator als Filter einsetzen können.

Akzeptiert man die Hypothese der Informationseffizienz der neoklassischen Theorie, sind Ratings und Ratingagenturen prinzipiell unnötig, da durch sie – so das Modell – keine neuen Informationen gewonnen bzw. genannt werden können. Ein Rating ist damit nur dann sinnvoll, wenn Informationen ineffizienter Märkte vorliegen, das heißt also, wenn die Ratingagenturen den Marktteilnehmern (neue bzw. zusätzliche) Informationen zur Verfügung stellen, die sonst den Marktteilnehmern nicht zur Verfügung stünden. Ratingagenturen kann man somit vor diesem Hintergrund die Funktion zuschreiben, prinzipiell bereits verfügbare Informationen – aus Kostendegressionsgründen – billiger aggregieren und aufbereiten zu können, als dies einzelne Marktteilnehmer darstellen könnten.

Anzumerken ist, dass durch die Feststellung einer hohen Informationseffizienz und dem damit verbundenen geringeren Informationsgehalt von Ratings nicht zwingend geschlossen werden kann, dass Ratings „unnötig“ bzw. „nicht sinnvoll“ sind. Denn dies würde zu einem „Informationsparadoxon“ führen, da die Vernachlässigung der Informationsauswertung durch die Marktteilnehmer zwangsläufig dazu führen würde, dass der Markt seine Informationseffizienz verliert.

Die methodischen Grundlage der Ratingverfahren von Standard & Poor’s, Moody’s Investor Service, Fitch Ratings und anderen sind die Kapitalmarkttheorie und der darauf basierende Shareholder-Value-Ansatz. Annahme dabei ist, die [Ausfallwahrscheinlichkeit] zu beurteilen, die maßgeblich durch die Relation zwischen Verschuldung und Unternehmenswert bestimmt wird.

Links Karsten Füser und Werner Gleißner: Rating-Lexikon,
München 2005, Beck im dtv Verlag, http://www.dtv.de, 552 Seiten, ISBN 3-406-53054-0.
   

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